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Vienna Design Week 2026 X LAUFEN:
Industrielle Nebenströme als Ressource Neuer Materialität

LAUFEN zeigt mit bioregional.agency und mischer'traxler studio neue Ansätze für zirkuläre Materialpraktiken im Rahmen eines Events mit Keynotes und Talk und einer Ausstellung

Wien, 29. September 2026. Im Rahmen der Vienna Design Week präsentiert LAUFEN gemeinsam mit bioregional.agency und mischer'traxler studio erstmals die Ergebnisse des Forschungsprojekts UNUSED MATTERS. Im Mittelpunkt stehen industrielle Nebenströme aus der Sanitärkeramikproduktion am LAUFEN Innovationsstandort Gmunden und die Frage, wie daraus neue Materialen und Produkte sowie neue Möglichkeiten der Wertschöpfung entstehen können. Die gleichnamige Ausstellung in der Festivalzentrale der Vienna Design Week am Hietzinger Kai 101 zeigt die bisherigen Ergebnisse der Forschungsarbeit und macht den Entwicklungsprozess anhand von Materialstudien und Objekten sichtbar.

Am 28. September lud LAUFEN zum Event mit Keynotes und Talk in den LAUFEN space Wien. Diskutiert wurde in hochkarätiger Expert:innen-Runde, wie sich zirkuläre Materialpraktiken in bestehende industrielle Produktionssysteme integrieren lassen, welche Bedeutung dabei regionale Wertschöpfungsketten haben und wo neue Einsatzmöglichkeiten entstehen können. Rund 150 Gäste aus Architektur, Design, Forschung und Wirtschaft folgten der Einladung.
 

EVENT: LAUFEN KEYNOTES & TALK zu zirkulären Materialpraktiken

Nach der Eröffnung durch Christian Schäfer, Managing Director LAUFEN Austria, gaben Katharina Mischer und Thomas Traxler von mischer'traxler studio sowie Gordon Selbach von bioregional.agency einen Einblick in den aktuellen Stand sowie in die bisherigen Ergebnisse des gemeinsamen Forschungsprojekts. Anschließend diskutierten Karin Huber-Heim (Circular Economy Forum Austria), Denis Milosevic (Wiener Linien), Sigrid Stagl (WU Wien), über konkrete Ansätze und Voraussetzungen für mehr Kreislaufwirtschaft in industriellen Systemen sowie über die Chancen, die daraus entstehen können. Die Moderation übernahm Transformationspsychologin Irina Nalis. 

Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur den Umgang mit Ressourcen verändert, sondern auch neue Geschäftsmodelle und Formen der Zusammenarbeit ermöglicht. Dabei war ein zentraler Punkt: Kreisläufe lassen sich nicht immer allein innerhalb einzelner Unternehmen schließen. Gefragt sind Kooperationen über Branchen- und Ländergrenzen hinweg, ungewöhnliche Allianzen und ‚Coopetition‘, also die Zusammenarbeit von Unternehmen, die gleichzeitig im Wettbewerb stehen. Ob daraus tatsächlich Veränderung entsteht, hängt von den handelnden Personen ebenso ab wie von den wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. 

LAUFEN Gmunden als Standort für Innovation

Nachhaltigkeit versteht LAUFEN als Teil der kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Produktion. Am Standort Gmunden investiert das Unternehmen seit Jahrzehnten in neue Technologien und arbeitet daran, Ressourcenverbrauch und Emissionen zu reduzieren. Seit 2023 ist dort der weltweit erste elektrische Tunnelofen für Sanitärkeramik in Vollbetrieb und ermöglicht eine vollständig emissionsfreie Produktion mit einer jährlichen Einsparung von rund 5.000 Tonnen CO₂. 2025 wurden in Gmunden gefertigte LAUFEN-Produkte zudem mit Cradle to Cradle Certified® Circularity Bronze ausgezeichnet. Mit dem Forschungsprojekt UNUSED MATTERS geht LAUFEN einen weiteren Schritt und verbindet die eigene Material- und Produktionskompetenz mit neuen Ansätzen für mehr Zirkularität.

„Wenn wir gelebte Kreislaufwirtschaft in der Industrie voranbringen wollen, müssen wir bei den eigenen Produktionsprozessen ansetzen. Bei LAUFEN bedeutet das konkret, die Reststoffe, die wir heute noch nicht in die Produktion zurückführen können, genauer zu untersuchen und neue Möglichkeiten für ihre Nutzung zu entwickeln. In unserem Forschungsprojekt in Gmunden können wir diese Ansätze gemeinsam mit dem Produktionsteam vor Ort testen, daraus lernen und Schritt für Schritt herausfinden, was sich mittel- und langfristig auch im industriellen Maßstab umsetzen lässt“, erklärt Christian Schäfer, Managing Director LAUFEN Austria.

Neue Materialität aus bestehenden Ressourcen

Das Forschungsprojekt „UNUSED MATTERS“ setzt bei den realen Materialströmen der Sanitärkeramikproduktion im LAUFEN-Werk Gmunden an. Filterkuchen, Keramikscherben und Glasurstaub werden in unterschiedlichen Mischverhältnissen kombiniert und zu einer neuen keramischen Masse weiterentwickelt. Nach etwas mehr als einem Jahr Forschungsarbeit und zahlreichen Testzyklen ist es gelungen, eine gießbare Masse zu entwickeln, die zu 92 Prozent aus Restmaterialen besteht und im E-Tunnelofen am Standort Gmunden gebrannt wird. „Für uns war von Anfang an klar: Wir müssen zuerst das Material verstehen, bevor wir über ein konkretes Produkt nachdenken können. Deshalb arbeiten wir mit dem, was in der Produktion tatsächlich anfällt, und entwickeln daraus unterschiedliche keramische „Test-Objekte“. Diese zeigen uns, was bereits möglich ist, wo Grenzen liegen und für welche Anwendungsbereiche wir weiter forschen und entwerfen können“, beschreibt Thomas Traxler, mischer'traxler studio.

UNUSED MATTERS geht dabei über die reine Materialentwicklung hinaus. bioregional.agency betrachtet die Produktion und ihre Stoffströme in einem größeren Kontext. Sie beziehen dabei auch die Frage ein, wo neu entwickelte Materialen in Zukunft sinnvoll eingesetzt und regionale Kreisläufe gestärkt werden können. „Für uns bedeutet Zirkularität, die global-orientierte Industrie als Teil eines regionalen Systems zu verstehen. Wir schauen uns an, wo Materialen herkommen, wie sie künftig eingesetzt werden können und wie daraus neue Verbindungen in der Region entstehen können. Auch die Rolle von Design geht dabei über die reine Formgebung hinaus. „Designer:innen können mit ihrer investigativen Arbeit dazu beitragen, industrielle Systeme zu verändern“, betont Jakob Travnik, bioregional.agency.

AUSSTELLUNG: UNUSED MATTERS macht Forschung sichtbar

Die Ausstellung „UNUSED MATTERS“ in der Festivalzentrale der Vienna Design Week am Hietzinger Kai 101, 1130 Wien, ist noch bis 4. Oktober zu sehen und visualisiert erstmals die Ergebnisse des Forschungsprojekts.  Hier werden unter anderem gegossene und glasierte Keramikschindeln als mögliche Fassadenelemente sowie stapelbare keramische Objekte für den Innenraum präsentiert. Der Produktionsprozess bleibt dabei im Material sichtbar: Für die gezeigten Objekte wurde etwa Glasurstaub aus unterschiedlichen Produktionswochen verwendet. Je nachdem, welche Farben in Gmunden produziert wurden, entstehen so unterschiedliche Nuancen.

Materialvarianz macht jedes Objekt zum Unikat

„Die Industrie braucht gleichbleibende Qualität und Kontinuität. Sobald man aber mit Restmaterialien aus der laufenden Produktion arbeitet, muss man auch mit gewissen Abweichungen umgehen können. Die Ergebnisse können kleine Farbunterschiede oder Unregelmäßigkeiten aufweisen. Für mich als Gestalterin ist genau das spannend: Wie können wir mit dieser Varianz arbeiten und sie als Charakter statt als Fehler verstehen? Und wie können wir eine Ästhetik entwickeln, in der diese Unterschiede nicht versteckt werden müssen, sondern einen eigenen Wert bekommen?“, ordnet Katharina Mischer, mischer'traxler studio, die gestalterische Herausforderung ein.

Vom Werk zurück in die Region

Ein weiterer Teil der Überlegungen ist eine mögliche Anwendung direkt am Ort ihrer Entstehung. „Wir finden den Gedanken sehr spannend, dass aus diesen Materialien beispielsweise Elemente für eine Fassade, einen Eingangsbereich oder einen öffentlichen Raum in der Region entstehen könnten. So würde aus einem Nebenstrom der lokalen Produktion wieder etwas entstehen, das in der Region neue Wertschöpfung erzeugt“, so Gordon Selbach, bioregional.agency.

Vom Forschungsprojekt zur industriellen Anwendung

Die nächsten Schritte konzentrieren sich bei allen Projektbeteiligten auf die Reproduzierbarkeit und Standardisierung der Methode. Denn langfristig geht es für LAUFEN um mehr: Wie lassen sich die Erkenntnisse aus Gmunden auf größere Produktionsmaßstäbe übertragen und welche Möglichkeiten ergeben sich daraus auch für andere Standorte?

„Dieses Projekt zeigt uns, wie wichtig es ist, dass die Forschung direkt mit der industriellen Praxis verbunden ist. Nur wenn Produktion, Materialforschung und Design eng zusammenarbeiten, können daraus innovative Lösungen für die Zukunft entstehen. Genau diese Offenheit brauchen wir, um unser Unternehmen sowie die Produktion langfristig weiterzuentwickeln“, bringt es Christian Schäfer abschließend auf den Punkt.

 

AUSTELLUNG UNUSED MATTERS

25. September bis 4. Oktober, Mo- So von 11.00 Uhr bis 19.00 Uhr 
Vienna Design Week Festivalzentrale, Hietzinger Kai 101, 1130 Wien

 

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