Werk(s) Kunst‘
In der Tradition Kurt Ohnsorgs…

1963, also vor 55 Jahren, gründete Kurt Ohnsorg in Gmunden das erste internationale Sommerseminar für Keramik. Im LAUFEN Showroom & Innovation Hub sind die Keramik Objekte aus der Ausstellung „1963 bis 1969 KURT OHNSORG Symposien im Laufen Werk Gmunden“ zu sehen. Die Ausstellung zeigt Keramik als spannendes Material in der zeitgenössischen Kunst. Denn durch künstlerisches Arbeiten in der nüchternen Atmosphäre eines innovativen, keramischen Industriebetriebes entstehen spannende, von Hand modellierte Unikate und gegossene Skulpturen...

In der Tradition Kurt Ohnsorgs...                                                                                 
Gegründet wurde das Keramik-Symposium Gmunden 1963 vom Keramik-Pionier Kurt Ohnsorg, einem der bedeutendsten Keramik-Künstler Österreichs im 20. Jahrhundert. Ohnsorg stand im Spannungsfeld von angewandter und freier Arbeit ¬– in der Tradition der Wiener Werkstätte. Seine künstlerische Leidenschaft galt den Oberflächen. In Gmunden entwickelte er dafür eigene Verfahren, brach die damals stets glatten Oberflächen auf und schuf eine radikale, archaische Anti-Ästhetik als Gegenposition zur damaligen Keramikkunst. Der Kunstpublizist Otto Breicha bezeichnete ihn als „Wotruba der Keramik“. Ohnsorgs Werke befinden sich in der Albertina, in MUMOK, im Lentos Kunstmuseum Linz, dem Musée Ariana in der Schweiz etc.

Ohnsorg leitete das Keramik Symposium Gmunden bis zu seinem Freitod 1970. Zum Selbstverständnis seiner Arbeit schrieb er: „Die Liebe zum Handwerk ist nicht als sentimentale Neigung anzusehen, sondern als die nach wie vor vollkommenste Möglichkeit des Menschen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Und diese Auseinandersetzung kann man sich nicht ersparen... Wer sich der Mühe der Beherrschung der Materie nicht unterzieht, bei dem kann sowohl Persönlichkeit als auch Künstlerschaft als fragwürdig gelten.“

Schriftstellerin Elfriede Jelinek schrieb über Ohnsorg: „Diese wunderbaren Dinge, die Ohnsorg hergestellt hat, haben sehr oft eine Bestimmung, dienen einem Zweck, und es ist eine große Leistung, wenn Schönheit eben auch eine Bestimmung hat, obwohl sie an und für sich ist und für sich gern auch bleiben würde ... Das sind Gebrauchsgegenstände, die auch gebraucht werden sollen, und gleichzeitig weisen sie einen streng darauf hin, dass diese Bestimmung vom Benutzer durchgestrichen wird, indem er zu ihrer Nutzung aufgefordert ist“ (aus „Ohnsorg oder: Die äußerste Möglichkeit. Man muss das Feste feiern, denn wenn es fällt, kann es zerbrechen. Zum 40. Todestag Kurt Ohnsorgs: über seine Keramik-Kunstwerke und über deren Schönheit” – Die Presse, 28. 8. 2010).

  

Kunst im Werk – im Gmundner Innovations- & Entwicklungszentrum von LAUFEN
   
Das Keramik-Symposium Gmunden war bereits damals international ausgerichtet – mit Künstlern aus Nigeria, Indien, Israel, den USA und Europa. Heute hat es einen europäischen Fokus und ist ein Know-how-Austausch von Künstlern und Technikern auf höchstem Niveau: Bis 1969 leitete Kurt Ohnsorg unter Mitwirkung von Fritz Lischka, Werksdirektor der ÖSPAG (Rechtsnachfolger LAUFEN) und Studienkollege, sechs dieser Symposien.

Grundlegend ermöglicht wurden diese die Unterstützung des kunstsinnigen Conrad H. Lester, dem ehemaligen Miteigentümer der LAUFEN Gruppe. Die Verbindung zur Kunst zieht sich wie ein roter Faden durch seine Vita: Als großbürgerlicher Sohn einer jüdischen Industriellen-Familie als Kurt Heinz Lichtenstern geboren, musste Lester 1938 über Frankreich in die USA fliehen. In Paris verkehrte er in Künstlerkreisen um Josef Roth. In Los Angeles gab er sich den Namen Conrad H. Lester, studierte Wirtschaft und Germanistik und lehrte als Associate Professor in Los Angeles. Von 1943 bis 1945 tat er Dienst in der amerikanischen Armee. 1948 übernahm er die Leitung der ererbten ÖSPAG-Betriebe (Rechtsnachfolger LAUFEN) und pendelte zwischen den USA und Österreich. 1968 kehre er ganz nach ganz in die Heimat zurück. 1977 war Lester auch Präsident der österreichischen Goethe-Gesellschaft.

Nach Kurt Ohnsorgs Tod wurde das Symposium auf Anregung von Lesters Sohn Paul 2003 wieder ins Leben gerufen – in Kooperation mit Gmundner Keramik und der Stadt Gmunden, repräsentiert im Vereinen zur Förderung europäischer Keramikkünstler. Intention war das Aufeinandertreffen von Erfahrungen und Fähigkeiten zwischen Generationen und unterschiedlicher Positionen. Künstler aus unterschiedlichen Ländern begegneten Technikern und Handwerkern zum Erfahrungsaustausch und zum gemeinsamen Arbeiten in einer Fabrik. Seit 2018 ist das LAUFEN Werk wieder Teil des Keramik Symposiums Gmunden. Hier wird auch erstmals die künstlerische Perspektive digitaler, keramischer Produktion ausgelotet.

  

Keramiksymposium im LAUFEN Showroom & Innovation Hub

Inmitten der inspirierenden Atmosphäre der Produktionhallen ging es darum, Kunstwerke zu konzipieren, zu gestalten und in intensiver Zusammenarbeit mit den Material-Experten herzustellen. "Die häufig nur im eigenen Atelier ausgeübte künstlerische Kreativität mit der langjährigen Erfahrung der im Umgang mit dem Material und der Produktion beschäftigten Spezialisten in Dialog zu bringen, führte zu einem für beide Seiten äußerst ergiebigen Austausch“, so Christine Schwaiger, Architektin, Professorin für Innenarchitektur an der New Design University St. Pölten und gemeinsam mit Harald Trapp Kuratorin der Ausstellung ‚Werk(s) Kunst‘.

Die Tische, auf denen die Objekte präsentiert werden, stammen aus dem Gmundner LAUFEN Werk und zeigen noch die Spuren jahrelangen Gebrauchs. Um die Werkstätten-Atmosphäre zu brechen, wurden ihre Oberflächen mit Spiegeln versehen, die gleichzeitig verschiedene Ansichten der Objekte ermöglichen. Ergänzt werden die Objekte durch Fotografien aus dem Entstehungsprozess mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den 60-ern.