OPEN STUDIO DAYS GMUNDEN


Medien-Information LAUFEN Austria - Keramik Symposium Gumunden 2018
 

Zurück in die Zukunft –
55 Jahre Keramik Symposium Gmunden

Gmunden, 20. September 2018. Innovation ist bei LAUFEN eng mit der oberösterreichischen Stadt Gmunden verbunden: In der Gmundner LAUFEN-Manufaktur wurde das revolutionäre Material SaphirKeramik entwickelt, das erstmals schmale Wandungen und enge Radien bei Waschtischen zulässt. Internationale Star-Designer wie Patricia Urquiola, Konstantin Grcic und Marcel Wanders kreierten für LAUFEN damit preisgekrönte Serien.
1963, also vor 55 Jahren, gründete Kurt Ohnsorg in Gmunden das erste internationale Sommerseminar für Keramik. Von 9. September bis 13. Oktober 2018 findet es unter dem neuen Namen Keramik Symposium Gmunden wieder statt – als ‚Artists in Residence’ Programm im LAUFEN-Werk und bei Gmundner Keramik. 10 europäische Künstler lassen hier Werke im Spannungsverhältnis zwischen Handwerk und Digitalisierung entstehen – und die funktionsüberlagerte Schönheit des Materials neu entdecken. Zu sehen ist auch die Ausstellung „1963 bis 1969 KURT OHNSORG Symposien im Laufen Werk Gmunden“. Sie zeigt Keramik als spannendes Material in der zeitgenössischen Kunst. Denn durch künstlerisches Arbeiten in der nüchternen Atmosphäre eines innovativen, keramischen Industriebetriebes entstehen spannende, von Hand modellierte Unikate und gegossene Skulpturen...


Kreativ-Prozess neu denken

„Bei der Arbeit der Künstler und unserer Keramik-Spezialisten in unserem Werk in Gmunden geht es immer um jene zukunftsweisende Kreativität, die möglich ist, wenn neue Anforderungen auf hohe Expertise sowie innovative Denkmuster treffen. Also wenn man Prozesse von Anfang an anders denkt – im Sinne einer noch nie so praktizierten technischen Lösung. Nur dann entsteht Innovation: neue Werke, Produkte und Materialien, die vorher weder denkbar noch realisierbar waren und damit die Grenzen des Machbaren verschieben. In diesem Kreativ-Prozess geht es auch um spannende Fragen wie die Replizierbarkeit von Design. Also um Themen, die uns als Sanitärkeramik-Spezialisten natürlich ebenfalls beschäftigen“, erklärt Marc Viardot, Managing Director LAUFEN Business Unit Central Europe, Vorstand LAUFEN Austria und Director Marketing and Products von LAUFEN.

Das heimische Unternehmen mit Schweizer Mutter unterstützt einen Teil der Künstler dabei fünf Wochen lang mit Material und Know-how im keramischen Prozess. Marc Viardot: „Unser Tunnel-Ofen fährt in rund 20 Stunden eine Brennkurve bis zu 1.260 Grad. Ohne Expertise, wie man Objekte aufbaut sowie vor und während des Brennvorgangs stabil hält, fallen diese leicht zusammen, denn diese hohe Temperatur verzeiht nicht den kleinsten Fehler.“

In der Tradition Kurt Ohnsorgs...                                                                                       
Gegründet wurde das Keramik-Symposium Gmunden 1963 vom Keramik-Pionier Kurt Ohnsorg, einem der bedeutendsten Keramik-Künstler Österreichs im 20. Jahrhundert. Ohnsorg stand im Spannungsfeld von angewandter und freier Arbeit ­– in der Tradition der Wiener Werkstätte. Seine künstlerische Leidenschaft galt den Oberflächen. In Gmunden entwickelte er dafür eigene Verfahren, brach die damals stets glatten Oberflächen auf und schuf eine radikale, archaische Anti-Ästhetik als Gegenposition zur damaligen Keramikkunst. Der Kunstpublizist Otto Breicha bezeichnete ihn als „Wotruba der Keramik“. Ohnsorgs Werke befinden sich in der Albertina, in MUMOK, im Lentos Kunstmuseum Linz, dem Musée Ariana in der Schweiz etc.

Ohnsorg leitete das Keramik Symposium Gmunden bis zu seinem Freitod 1970. Zum Selbstverständnis seiner Arbeit schrieb er: „Die Liebe zum Handwerk ist nicht als sentimentale Neigung anzusehen, sondern als die nach wie vor vollkommenste Möglichkeit des Menschen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Und diese Auseinandersetzung kann man sich nicht ersparen... Wer sich der Mühe der Beherrschung der Materie nicht unterzieht, bei dem kann sowohl Persönlichkeit als auch Künstlerschaft als fragwürdig gelten.“  Eine Auswahl von Objekten, die im LAUFEN Werk in Gmunden entstanden sind, ist nun in der Ausstellung „1963 bis 1969 KURT OHNSORG Symposien im Laufen Werk Gmunden“ zu sehen.

Schriftstellerin Elfriede Jelinek schrieb über Ohnsorg: „Diese wunderbaren Dinge, die Ohnsorg hergestellt hat, haben sehr oft eine Bestimmung, dienen einem Zweck, und es ist eine große Leistung, wenn Schönheit eben auch eine Bestimmung hat, obwohl sie an und für sich ist und für sich gern auch bleiben würde ... Das sind Gebrauchsgegenstände, die auch gebraucht werden sollen, und gleichzeitig weisen sie einen streng darauf hin, dass diese Bestimmung vom Benutzer durchgestrichen wird, indem er zu ihrer Nutzung aufgefordert ist“ (aus „Ohnsorg oder: Die äußerste Möglichkeit. Man muss das Feste feiern, denn wenn es fällt, kann es zerbrechen. Zum 40. Todestag Kurt Ohnsorgs: über seine Keramik-Kunstwerke und über deren Schönheit” – Die Presse, 28. 8. 2010).

Kunst im Werk – im Gmundner Innovations- & Entwicklungszentrum von LAUFEN   

Das Keramik-Symposium Gmunden war bereits damals international ausgerichtet – mit Künstlern aus Nigeria, Indien, Israel, den USA und Europa. Heute hat es einen europäischen Fokus und ist ein Know-how-Austausch von Künstlern und Technikern auf höchstem Niveau: Bis 1969 leitete Kurt Ohnsorg unter Mitwirkung von Fritz Lischka, Werksdirektor der ÖSPAG (Rechtsnachfolger LAUFEN) und Studienkollege, sechs dieser Symposien.

Grundlegend ermöglicht wurden diese die Unterstützung des kunstsinnigen Conrad H. Lester, dem ehemaligen Miteigentümer der LAUFEN Gruppe. Die Verbindung zur Kunst zieht sich wie ein roter Faden durch seine Vita: Als großbürgerlicher Sohn einer jüdischen Industriellen-Familie als Kurt Heinz Lichtenstern geboren, musste Lester 1938 über Frankreich in die USA fliehen. In Paris verkehrte er in Künstlerkreisen um Josef Roth. In Los Angeles gab er sich den Namen Conrad H. Lester, studierte Wirtschaft und Germanistik und lehre als Associate Professor in Los Angeles. Von 1943 bis 1945 tat er Dienst in der amerikanischen Armee. 1948 übernahm er die Leitung der ererbten ÖSPAG-Betriebe (Rechtsnachfolger LAUFEN) und pendelte zwischen den USA und Österreich. 1968 kehre er ganz nach ganz in die Heimat zurück. 1977 war Lester auch Präsident der österreichischen Goethe-Gesellschaft.

Nach Kurt Ohnsorgs Tod wurde das Symposium auf Anregung von Lesters Sohn Paul 2003 wieder ins Leben gerufen  – in Kooperation mit Gmundner Keramik und der Stadt Gmunden, repräsentiert im  Vereinen zur Förderung europäischer Keramikkünstler. Intention war das Aufeinandertreffen von Erfahrungen und Fähigkeiten zwischen Generationen und unterschiedlicher Positionen. Künstler aus unterschiedlichen Ländern begegneten Technikern und Handwerkern zum Erfahrungsaustausch und zum gemeinsamen Arbeiten in einer Fabrik. Seit 2018 ist das LAUFEN Werk wieder Teil des Keramik Symposiums Gmunden. Hier wird auch erstmals die künstlerische Perspektive digitaler, keramischer Produktion ausgelotet.